Jens Daberkow und Matthias Loll im zweiten Teil des Interviews - Teil2

Die HSG Vulkan Vogelsberg ist ein Zusammenschluss der Handballabteilungen von TV Angersbach, TV Lauterbach und TV Maar. Einst mit den Männern in der Regionalliga und den Frauen in der Landesliga aktiv, spielen ab der kommenden Saison nach den Frauen auch die Männer um Trainer Michael Stock in der höchsten Spielklasse des Bezirks Melsungen-Fulda. Dabei wird auch nicht die Jugendarbeit vernachlässigt. Nach einer Durststrecke zeichnet die aktuelle Vorstandsmannschaft für eine positive Entwicklung auf breiter Front verantwortlich. Im zweiten Teil des Interviews mit dem Vorstand kommen Jens Daberkow und Matthias Loll zum Abschluss zu Wort.

 

 

Vorstand 2019 2020
Nicole Kimpel mit ihren Vorstandskollegen Stephan Kimpel (links), Jens Daberkow (2. von rechts) und Matthias Loll (rechts). Foto: Zweikopfagentur

Herr Daberkow, als Abteilungsleiter des TV Lauterbach weniger, vor allem aber als langjähriger Frauentrainer, der heute noch nah bei der Mannschaft ist, werden Sie als in der Öffentlichkeit als eines der "Hauptgesichter" der HSG Vulkan Vogelsberg wahrgenommen. Wer Sie näher kennt, weiß, dass dies nicht unbedingt ihr "Ding" ist. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle?

Wir waren vor einigen Jahren an dem Punkt angelangt, den Laden abzuschließen. Bis dahin war ich "nur" Trainer und auch glücklich damit, musste mich um die "Politik" nicht kümmern. Aber dann war es soweit, dass ich mich nach der D-Jugend auch noch darum kümmern musste, unseren Kids fremde Vereine zu suchen, weil wir ab der C-Jugend keine Teams mehr zusammenbekamen. Irgendwann fehlte die Kraft, das weiter durchzustehen. Wenn die beiden Kimpels und der TV Angersbach 2016 nicht auf eine "Entweder, oder"-Entscheidung gedrängt hätten, wäre es auch so gekommen. Aber dann war da plötzlich eine Chance. Die jedoch nur gelingen konnte, wenn auch ein paar Leute an die Front gehen. Das allein war der Grund, warum ich mich dazu entschieden habe, im Vorstand mitzuarbeiten. Und mit der Zeit hatte ich auch großen Spaß daran. Man muss etwas verrückt sein, gelegentlich einen breiten Buckel haben, auch mal diplomatisch sein - das alles geht ganz gut. Und gern mit Menschen arbeiten. Eigentlich eine tolle Symbiose.

Und im Gegensatz zum Start bemerke ich inzwischen, was man alles zurückbekommt. Von den Kids im Training sowieso, aber auch von den Eltern, dem Umfeld, den Mitstreitern. Anerkennung im Handballbezirk, in der Politik, durch die Mitarbeit von Sponsoren. Es ist schon cool, wenn der Bürgermeister zum Aufstieg der Damen einen Brief schreibt...

Wenn man sich die jüngere Vergangenheit betrachtet, dann ging es stetig bergauf. Worauf führen Sie die Erfolge bei den Männern und den Frauen (Aufstiege von der Bezirksliga B bis in die Bezirksoberliga), aber auch im Nachwuchsbereich zurück?

Was wir bisher geschafft haben, ist meines Erachtens zuerst einmal auf eine sehr ausgewogene Arbeit im Vorstand zurückzuführen. Jeder hat so seinen Bereich, in dem er wirklich gut ist. Und dabei lassen wir glücklicherweise wenig liegen. Es geht genauso um die Senioren wie um den Nachwuchs, gleichermaßen um das Sponsoring wie auch die Suche und das Finden weiterer Menschen, die Spaß an einer Mitarbeit in der HSG haben. Wenn zum Ende des Jahres meine berüchtigte Weihnachtsfeier-Rede ansteht und ich den "Jahresrückblick" vorbereite, denke ich stets: Wie ging das wieder alles? Aber es ging dann doch irgendwie. Und wie gesagt: Wir schaffen nicht alles, müssen Prioritäten setzen. Aber wir lassen wenig liegen.

Der zweite wichtige Punkt ist aber sofort, dass wir auf eine extrem tolle Arbeit der Trainer, Betreuer, Schiedsrichter, Helfer bauen können. Dass jeder spürt, dass seine Funktion gebraucht wird, um den Laden am Laufen zu halten. Man bereit ist, Freizeit für einen genialen Sport, die eigenen Kids, einen wichtigen Sozialbereich zu investieren. Und auf dieser Basis machen wir kleine Schritte. Manchmal auch einen zurück, aber dann wieder zwei nach vorn. "Wer steilen Berg erklimmt, hebt an mit ruhigem Schritt." (Shakespeare)

Eine wachsende Zahl an Nachwuchsspielern ist grundsätzlich erst einmal positiv. Allerdings steigen damit auch die Begehrlichkeiten, vor allem logistisch. Wie wichtig war es da, dass es neben der Großsporthalle und der Sporthalle der Eichbergschule mit der Vulkan-Halle mittlerweile eine dritte Trainingsstätte in Lauterbach gibt?

Wenn man wächst, klemmt es irgendwo immer. Wir haben über Jahre Hallenzeiten abgeben müssen, weil die Teams weniger wurden. Dass jetzt andere Vereine nicht jubeln und die Zeiten wieder an uns abtreten, ist doch klar. Aber auch da gibt es über die Sportarten hinaus durchaus mal gegenseitige Hilfe, rutschen wir irgendwo rein, wo jemand eine Zeit nicht benötigt. Wo wir können, versuchen wir, die Hallenzeiten für die Mannschaften zu erweitern. Das betrifft alle Hallen der Gegend, sowohl Lauterbach als auch die kleineren Hallen in Maar und Angersbach. Und wenngleich es auch mit dem Vogelsbergkreis eine gute Zusammenarbeit gibt, ist es stets ein zähes Ringen. Nur: Haben Sie eine Hallenzeit, brauchen Sie den nächsten Trainer. Wie gesagt: Irgendwo klemmt es immer.

Wie sieht es in puncto Sponsoren aus, inwieweit spiegelt sich das mittlerweile "gesunde" Wachstum bei HSG Vulkan im Engagement von lokalen Unterstützern wider?

Auch in diesem Bereich haben wir gemerkt, dass man sich nach so einer Phase wie den sportlichen als auch finanziellen Turbulenzen 2006/2007 erst einmal das Vertrauen in der Region zurückerarbeiten muss. Sponsoring war total neu für uns im Vorstand und die ersten Gehversuche waren nicht so erfolgreich. Gleichwohl sind wir immer demütig geblieben, haben versucht, ein Konzept aufzubauen - und auch hier konzentriert in kleinen Schritten vorwärts zu kommen. Das Feedback ist mit der Zeit wirklich toll, und so mancher Sponsor schickt inzwischen auch seine Kids ins Training, Es ginge noch viel mehr, jedoch sind wir hier wieder an so einem Punkt, wo es eigentlich zunächst mehr Manpower zum Kümmern benötigt. Der Wille zur Überstützung unserer Arbeit in der Region ist jedenfalls da.

Herr Loll, Sie waren selbst noch aktiv, als die HSG Vulkan Vogelsberg - ungeachtet der damit einhergehenden finanziellen Risiken - einen sportlich atemberaubenden Aufstieg hingelegt hatte, der bis in die damals drittklassige Regionalliga geführt hat. Zumindest solange der leider viel zu früh verstorbene Goran Suton dabei war, hatten sich auch in der Jugendarbeit einige positive Dinge getan. Was überwiegt bei Ihnen, wenn Sie an diese Zeit zurückdenken?

Die Erinnerung an die Euphorie und Handball-Begeisterung, die die Aufstiege in der Region ausgelöst haben. Unvergessen bleiben der Aufstiegskrimi in der Bezirksoberliga gegen Großenlüder sowie die Duelle mit Baunatal um den Aufstieg in die Oberliga mit damals über 1000 Zuschauern. Während dieser Zeit setzte die HSG noch auf regionale Spieler mit punktuellen Verstärkungen - und intensivierte mit dem Konzept von dem leider viel zu früh verstorbenen Goran Suton die Jugendarbeit. Hierzu zählten unter anderem die Betreuung der A-Jugend durch Goran, der Perspektivkader sowie die Durchführung von Handballcamps.
Mit dem Aufstieg in die Regionalliga mussten wir feststellen, dass das wirtschaftliche Wachstum dem sportlichen nicht gewachsen war, was zur Abwanderung vieler Spieler sowie unseres Trainers Goran führte. Die Saison konnte nur mit tatkräftiger Unterstützung der zweiten Männermannschaft zu Ende gespielt werden.

Um die Handballer des TV Maar war es zwischenzeitlich sehr ruhig geworden. Sogar von einem Ausstieg aus der HSG Vulkan Vogelsberg war die Rede. Ihr Eintritt in den Vulkan-Vorstand scheint eine Wende herbeigeführt zu haben. Was war Ihr Antrieb und wie stellt sich die Situation beim TVM heute dar?

Mit dem Wechsel von Norbert Wahl vom Abteilungsleiter Handball zum zweiten Vorsitzenden innerhalb des TV Maar war das Amt des Abteilungsleiters vakant. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir gerade wieder eine Herrenmannschaft im Spielbetrieb und die Verjüngung der Damenmannschaft mit dem Zwangsaufstieg war in vollem Gange. Im Jugendbereich waren und sind wir noch nicht so stark vertreten, wie ich mir das für den TV Maar wünschen würde. Aus diesem Grund gab es auch damals die Überlegungen bezüglich des Ausstiegs. Die Abteilung Handball ist nach dem Turnen die zweitälteste Sportart innerhalb des TV Maar. Zum einen wollte ich die Tradition auf Grund eines fehlenden Abteilungsleiters nicht sterben lassen, zum anderen durfte ich im Handball so viele positive Erinnerungen und Eindrücke mitnehmen. Dies will ich der heutigen Jugend ebenfalls ermöglichen. Dazu möchten wir die Jugendabteilung weiter konsequent ausbauen.

Im digitalen Zeitalter gehen immer mehr Vereine hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit vermehrt den Weg über einen eigenen Online-Auftritt, teilweise auch gepaart mit sozialen Kanälen wie Facebook und/oder Instagram. Auch die HSG Vulkan hat sich in dieser Hinsicht recht gut aufgestellt, arbeitet zudem auch partnerschaftlich mit dem "Lauterbacher Anzeiger" zusammen. Wie wichtig sind diese Aktivitäten, um die Mitglieder zu erreichen?

Die Zusammenarbeit mit dem "Lauterbacher Anzeiger" freut uns ungemein und ist für unsere Vereinsarbeit sehr wichtig. Allerdings verzichten gerade die jüngeren Mitglieder, aber auch potenzielle Neuzugänge, leider immer mehr auf Printmedien. Aus diesem Grund sind für uns die digitalen Medien wie Homepage und Facebook unerlässlich, um allen den Zugang zu den Informationen rund um den Verein zu ermöglichen. Neben den Informationen zu Trainingszeiten, den Berichten über die Spiele aller Mannschaften, die kommenden Spiele und Events sowie Informationen rund um die HSG Vulkan Vogelsberg, bieten die Kanäle auch immenses Potenzial für unsere Sponsoren, für Werbung und oder Jobangebote.
Weiteres Potenzial sehe ich in der Vernetzung der "nuLiga" mit den digitalen Kanälen; der Entwicklung einer HSG Vulkan eignen CI (Corporate Identity); sowie einer App für mobile Endgeräte. Aber alles der Reihe nach.

Über Ihre Tätigkeiten im Vorstand hinaus sind Sie auch noch als Schiedsrichter in der Landesliga aktiv. Aus anderen Sportarten hört man immer wieder, wie respektvoll doch im Handball mit den Unparteiischen umgegangen wird. Wie sehen Sie die Achtung und Stellung der Handballschiedsrichter?

Ich denke, der Umgang mit den Schiedsrichtern wird zum einen durch die Vorbildfunktion in den höheren Spielklassen (im Seniorenbereich) sowie unserer TrainerInnen geprägt, und zum anderen in der Persönlichkeitsentwicklung der Spieler in der Jugend gelegt. An dieser Stelle gilt mein ausdrücklicher Dank allen unseren aktuellen und bisherigen JugendtrainerInnen. Der faire, sportliche Umgang mit den Schiedsrichtern sowie den gegnerischen Mannschaften war und ist ein wichtiger Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung unserer SpielerInnen. Ich denke, dass dies die Eckpfeiler für den Umgang mit den SchiedsrichterInnen in unserer Sportart sind.
Aus meiner Sicht werden die Schiedsrichter während eines Handballspiels von den Mannschaften als Teil eines Ganzen gesehen. Natürlich gibt es bei der Vielzahl der Entscheidungen auch immer mal Fehlentscheidungen oder auch mal einen schlechten Tag. Dazu möchte ich sagen: Schon ein minimal veränderter Blickwinkel kann die Situation gänzlich verändern. Hier hilft auch mal ein kurzer Dialog mit dem Spieler oder der Spielerin.