Interview mit Vorstand der HSG Vulkan Vogelsberg - Teil 1

Sie sind die Verantwortungsträger bei der HSG Vulkan Vogelsberg, verstehen sich dabei als Team. Jeder bringt sich ein, immer auch die Weiterentwicklung im Blick. Zum Abschluss unserer Reihe über die Handballspielgemeinschaft der Stammvereine TV Angersbach, TV Lauterbach und TV Maar haben wir mit ihnen gesprochen. Den Anfang machen Nicole und Stephan Kimpel, in einem zweiten Teil folgen Jens Daberkow und Matthias Loll.

 

Herren Damen 2019 2020

Nicole Kimpel (links) und Stephan Kimpel (Dritter von links) mit ihren Vorstandkollegen Jens Daberkow (rechts) und Matthias Loll (stehend, mittlere Reihe, Dritter von rechts) inmitten der beiden Aktiventeams der HSG Vulkan Vogelsberg. Foto: Zweikopfagentur

Frau Kimpel, bei allem Engagement von Ehrenamtlichen spielen auch immer die Finanzen eine nicht unbedeutende Rolle. Wie ist die HSG Vulkan Vogelsberg in diesem Punkt aufgestellt?

Die HSG ist durch gute Vorbereitung und Planungsrechnungen der Saisonkosten und Einnahmen, mit regelmäßigem Informationsfluss an die Stammvereine, soweit gut aufgestellt. Wir versuchen, durch gute Konzepte und persönliche Vorsprachen bei Sponsoren, diese von unseren Ideen zu überzeugen - und durch klare Strukturen die Mittelverwendung transparent zu gestalten.

Da weder im Aktiven-Bereich und schon gar nicht beim Nachwuchs finanzielle Lockmittel eingesetzt werden, wie erklären Sie sich das deutliche Wachstum der HSG Vulkan in der jüngeren Vergangenheit?

Für Geld zu spielen ist nicht alles, es muss auch das Drumherum stimmen. Das glaube ich, stimmt es bei der HSG Vulkan. Wir geben uns alle Mühe, um den Spielablauf, die Trainingseinheiten und auch die Sportmittel, die benötigt werden, gerecht auf alle Mannschaften zu verteilen. Wir als Verantwortliche versuchen auch, immer für die Spieler da zu sein, falls es mal Probleme gibt. Ich denke eine gute Vorstandsarbeit und ein gutes und angenehmes Ambiente sowie Miteinander sind manchmal mehr wert als Geld. Bei den Kids läuft es viel über Mundpropaganda. Wenn man sich wohlfühlt in einem Verein, trägt man dies in der Regel auch nach außen weiter - und macht wiederum andere neugierig.

Wie groß ist die Rolle der Elternschaft? Es scheint eine neue Qualität in der Beziehung zwischen Eltern und Verein zu geben.

Die Elternschaft spielt eine ganz große Rolle und ist gerade im Kinder- und Jugendbereich sehr wichtig. Denn ohne Eltern wäre das alles nicht möglich. Durch die immer weniger werdenden Jugendmannschaften bei anderen Vereinen, sind die Fahrten zu den Spielen deutlich länger geworden. Eine E-Jugend muss dann schon mal beispielsweise bis nach Wanfried reisen, um zu spielen. Da werden die "Elterntaxis" immer benötigt. Auch bei den Heimspielen geht ohne Eltern nicht viel. Sie helfen beim Auf- und Abbau in der Halle, waschen die Trikots, sie backen Kuchen, kochen Kaffee, um diesen in der Halle zu verkaufen. Die Trainer und Verantwortlichen versuchen, in Kommunikation mit den Eltern zu bleiben, und bei Problemen Lösungen zu finden. Ich empfinde, in unserem Verein ist es ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe mit der Elternschaft.

Für Vereinsarbeit braucht es starken Nerven und mitunter auch einen langen Atem, gerade bei ehrenamtlicher Arbeit. Wie viel Luft haben Sie bei dieser Tätigkeit, und woraus ziehen Sie Ihre Kraft?

Ja, in der Vereinsarbeit braucht man gute Nerven und einen verflixt langen Atem. Gerade, wenn die Saison sich zum Ende neigt und bei vielen Helfern und Spielern durch die Belastung die Luft raus ist. Es ist manchmal sehr anstrengend, alles unter einen Hut zu bringen. Gerade wenn man an machen Wochenenden ab 13 Uhr bis zum späten Abend in der Halle ist. Da bleibt während der Saison nicht viel Zeit übrig für anderes. Man wünscht sich manchmal etwas mehr Zeit am Wochenende. Doch wenn man, wie im Moment, diese Zeit im Überfluss hat, wünscht man sich doch den Trubel in der Halle zurück. Der Spaß, den die Spieler haben und die Energie, die diese in ihre Mannschaft stecken sowie die positiven Rückmeldungen aus dem Umfeld auf unsere Arbeit, motiviert jedes Mal wieder aufs neue.

Herr Kimpel, Sie gelten als "Vulkan-Visionär". Wie sieht Ihre Vision von der HSG Vulkan mittel- bis langfristig aus (2025, 2030)?

Mittelfristig sehe ich, dass wir uns im Seniorenbereich der Bezirksoberliga etablieren, und längerfristige sehe ich - durch weiterhin gute Jugendarbeit und gute Ausbildung der Eigengewächse - auch mal wieder, in der Landesliga anzuklopfen.

Aktuell sind alle männlichen Jahrgänge mit Vulkan-Teams besetzt, auch im weiblichen Bereich sieht es vergleichsweise gut aus. Womit können wir in den kommenden Jahren mit Blick auf die Seniorenteams rechnen, wo hakt es Ihrer Ansicht nach noch?

Haken tut es ganz klar an den Hallenzeiten, die deutlich zu wenig sind. Es ist im Moment so, dass sich einige beziehungsweise die meisten Jugendmannschaften die Hallenzeiten teilen müssen und so ein Training über die gesamte Spielfläche schlecht möglich ist.

Wie gelingt es, Unterstützer und Helfer zu finden, gerade im Nachwuchsbereich?

Mit einem gewissen Augenzwinkern: Ich fahre mit ehemaligen Handballern in den Urlaub und bekehre sie, bei uns einzusteigen. Wenn es gut läuft und sich die positive Arbeit des Vereins rumspricht, kommt der eine oder andere Helfer oder Betreuer aus der Elternschaft hinzu. Und wer einmal vom "Virus" HSG Vulkan angesteckt ist, kommt davon nicht mehr so schnell los.

Im noch relativ jungen Bezirk Melsungen-Fulda sind Sie einer der wenigen Auswahltrainer aus dem südlichen Beritt. Geben Sie uns einen kleinen Einblick in Ihre Tätigkeit...

Ich bin nicht nur einer der wenigen, sondern der einzige Auswahltrainer aus dem alten Bezirk Fulda. Zurzeit trainiere ich den männlichen Jahrgang 2007. Das Training findet ca. alle drei Wochen von 9 bis 13 Uhr in Bad Hersfeld statt. Die meisten Auswahlspieler kommen aus dem Norden des Bezirks, aber auch bei uns im Süden gibt es immer wieder Talente, denen nicht nur der Sprung in die Bezirksauswahl gelingt, sondern die es auch in die Hessenauswahl schaffen. Dies ist unter anderem auch geschuldet, da im Norden die Trainingsbedingungen meist besser sind. Beispiel MT Melsungen: Dort haben die D-Jugendspieler schon vier Mal die Woche Training.

Angesichts Ihres Engagements als Auswahltrainer haben Sie auch einen tieferen Einblick hinsichtlich des Leistungsvermögens der heimischen Talente: Wie sehen Sie die HSG Vulkan im Nachwuchsbereich aufgestellt, auch im Vergleich mit den Nachbarvereinen wie TV Alsfeld, HSG Großenlüder/Hainzell, FT Fulda, TSG Schlitz oder Hünfelder SV?

Im Vergleich mit unseren Nachbarvereinen sehe ich uns auch sehr gut aufgestellt. Wir haben im Moment das Glück, die Jugendmannschaften im männlichen Bereich von der F bis zur A durchgängig besetzt zu haben, was bei den Nachbarvereinen nicht immer der Fall ist. Im reinen weiblichen Bereich holen wir kontinuierlich auf, was eine tolle Entwicklung ist.